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WAS GIBT ES NEUES?

Was Patienten gegen ihre Angst vor dem Fortschreiten der Krankheit tun können

Prostatakrebs: Wenn die Hormontherapie nicht mehr wirkt

Was Patienten gegen ihre Angst vor dem Fortschreiten der Krankheit tun können

Ärzte bezeichnen das Krankheitsstadium, in dem die Hormontherapie nicht mehr wirkt, als kastrationsresistent. In diesem Stadium treten bei den meisten Patienten früher oder später Metastasen auf – eine Komplikation, die sich negativ auf die Lebensqualität auswirken kann. Viele Patienten im kastrationsresistenten Stadium haben Angst vor dem Fortschreiten der Krankheit und fürchten die Entwicklung von Metastasen. Diese Situation kann für die Betroffenen sehr belastend sein. Deshalb tun Ärzte alles, um die Entwicklung von Metastasen so weit wie möglich hinauszögern. In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie über das kastrationsresistente Stadium vor der Entstehung von Metastasen wissen müssen und was Sie selbst für Ihre seelische Stabilität tun können.

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Prostatakrebszellen benötigen in den meisten Fällen männliche Sexualhormone um zu wachsen, sogenannte Androgene – dabei insbesondere Testosteron. In einem frühen Stadium kann der Tumor meist mit einer Operation und/oder einer Strahlentherapie kurativ behandelt werden. Bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs gehört eine klassische Antihormontherapie zur Standardbehandlung. Durch den Hormonentzug wird das Tumorwachstum verlangsamt beziehungsweise ausgebremst. Die Herausforderung: Während die Antihormontherapie in der Regel anfänglich gut wirkt, wird der Tumor in den meisten Fällen gegen die klassische Antihormontherapie nach Monaten oder Jahren resistent. Ärzte bezeichnen dieses Krankheitsstadium, in dem die Krankheit weiter fortschreitet, obwohl der Patient eine klassische Antihormontherapie erhält, als kastrationsresistent.1 Klinisch stehen Knochenmetastasen im Vordergrund – eine schwerwiegende Komplikation, die sich bei jedem neunten Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs entwickelt.2

Wenn der Knochenstoffwechsel aus dem Takt gerät

Entstehen Knochenmetastasen, gerät der Knochenstoffwechsel aus dem Takt. Zunächst breiten sich die Krebszellen – ausgehend von der Prostata – über die Blut- und Lymphbahnen aus. Sie siedeln sich meist im Skelett an, da Knochen und Knochenmark gut durchblutet sind. Dort greifen sie in den Knochenstoffwechsel ein und verändern das sensible Gleichgewicht des Knochenauf- und abbaus.3 Nicht alle Krebszellen, die sich vom Ursprungstumor lösen, entwickeln sich an anderen Stellen zu Metastasen. Die Zeitdauer von der Entstehung des Primärtumors bis zur Entwicklung von Metastasen richtet sich nach der Tumorart und verläuft bei jedem Patienten anders.4

Knochenmetastasen beeinträchtigen die Lebensqualität

Knochenmetastasen schädigen nicht nur die Knochensubstanz, sondern verringern gleichzeitig die Festigkeit des Knochens. Deshalb verursachen sie zum Teil Beschwerden, die die Lebensqualität der Patienten deutlich einschränken. Ein Großteil der Patienten leidet unter starken Schmerzen (80 Prozent), die auch mit Angst- und Stresszuständen verbunden sein können. Bei jedem zehnten Patienten führen Knochenmetastasen sogar zu Brüchen, die meistens in der Umgebung von Metastasen auftreten.5 Neben der Verringerung der Lebensqualität sind Knochenmetastasen auch die treibende Kraft für das Fortschreiten der Erkrankung.6

Aus diesem Grund tun Ärzte alles dafür, um die Zeitspanne ohne Metastasen bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs soweit wie möglich hinauszuzögern. Anders als noch vor einigen Jahrzehnten stehen Ärzte jetzt in jedem Stadium dieser Erkrankung Behandlungsoptionen zur Verfügung, die das Leben der Patienten verlängern und auch die Lebensqualität erhalten können.

Angst zu haben, ist normal

Die Angst davor, dass die Krankheit weiter fortschreiten könnte – dieses Gefühl ist vielen Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs vertraut. Wissenschaftler fanden heraus, dass Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien tendenziell stärker von Angst betroffen sind als diejenigen, deren Prostatakrebs in einem früheren Stadium ist.7 Besonders angstauslösend sind beispielsweise bevorstehende Untersuchungen oder das Warten auf das Ergebnis.8

Ganz wichtig: Die Angst davor, dass der Krebs weiter fortschreitet und dass sich früher oder später Metastasen entwickeln können, ist normal. Denn diese Situation wird als existenzielle Bedrohung erlebt.8

Sich informieren, kann Angstgefühle lindern

Gelingt es Patienten, die Angst zu bewältigen, trägt dies wesentlich dazu bei, die Lebensqualität langfristig zu erhalten.9 Es gibt einige Strategien, die Betroffene beim Umgang mit ihren Gefühlen unterstützen können. Zunächst einmal ist es wichtig, sich die Angst einzugestehen und zu konkretisieren, welche Situationen oder Ereignisse diese Emotion auslösen.8

Eine der Ursachen von Angst ist oftmals mangelndes Wissen. Im Gespräch mit dem Arzt können sich Patienten über den Krankheitsverlauf und anstehende Untersuchungen informieren. Auf diese Weise kann der Eindruck „einer Behandlung ausgeliefert zu sein“, verringert werden. Auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt, Patienten mit Krebs sind nicht alleine. Sich dem Partner oder Freunden gegenüber zu öffnen und die Sorgen auszusprechen, kann entlastend wirken.8

Steht eine belastende Untersuchung bevor, ist es normalerweise möglich, einen vertrauten Menschen als Unterstützung mitzunehmen. Wichtig dabei ist, Bedürfnisse und Erwartungen im Vorfeld konkret zu formulieren. So weiß der Andere, was der Patient jetzt braucht und kann sich entsprechend darauf einstellen.8

Auch der Austausch mit anderen Patienten, beispielsweise in einer Selbsthilfegruppe, trägt zur Unterstützung bei. Wer nicht direkt mit anderen Menschen das Gespräch suchen möchte, kann beispielsweise auch in Internet-Chatforen mit betroffenen Männern kommunizieren.8

Sich die Angst von der Seele schreiben

Dass Worte Angstgefühle lindern können – diese Erfahrung machte auch die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller, als sie nach dem Tod ihres Vaters anfing zu schreiben. Die Angst ließe sich durchs Schreiben zähmen, beschreibt sie später ihre Erfahrung. Mittlerweile gilt das sogenannte expressive Schreiben als eine der besten untersuchten Techniken zur Selbsthilfe.10 Diese Schreibtechnik unterstützt Menschen dabei, sich mit belastenden Situationen wie einer Krebserkrankung auseinanderzusetzen. Das funktioniert, indem man an drei bis fünf Tagen, ungefähr eine Viertelstunde beispielsweise über die Angst vor dem möglichen Fortschreiten der Krankheit oder der Entwicklung von Metastasen schreibt.11 Forscher konnten zudem zeigen, dass Menschen, die belastende Situationen und traumatische Erlebnisse in Worten ausdrücken, sowohl ihre Psyche als auch ihren Körper stärken. So wirkt sich das Schreiben positiv auf das Immunsystem und wohltuend bei Erkrankungen aus. Schon allein dadurch, dass das Gefühl eine verbale Verpackung erhält, wird oft die Intensität der Empfindung verringert.10

Mit einem Psychoonkologen sprechen

Krebspatienten, die sich stark belastet fühlen, können bei einem Psychoonkologen Unterstützung finden. Diese psychologische Fachrichtung widmet sich allen Menschen, die von einer Krebserkrankung betroffen sind. Ihr vorrangiges Ziel ist es, die durch die Erkrankung entstehenden Belastungen wie Angstgefühle zu lindern. Ein Psychoonkologe sucht zusammen mit den Patienten nach Wegen, die diesen helfen, mit der neuen Lebenssituation zurecht zu kommen.12



Literatur


1. Krebsinformationsdienst – Tumorarten

2. Frieling SJ et al. (2015) Current and Emerging Therapies for Bone Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer, Cancer Control, 22(1):109-120

3. Knochenmetastasen bei Prostatakrebs – Symptome und Behandlungen

4. Krebsinformationsdienst: Knochenmetastasen – Grundlagen

5. Goh P et al. (2007) New multidisciplinary prostate bone metastases clinic: first of its kind in Canada. Curr Oncol 14(1):9–12

6. Nørgaard M et al. (2010) Skeletal Related Events, Bone Metastasis and Survival of Prostate Cancer: A Population Based Cohort Study in Denmark (1999 to 2007). J Urol 184:162–167

7. Johanes C et al. (2013) Anxiety level of early- and late-stage prostate cancer patients, Prostate Int. 1(4):177–182. doi:10.12954/PI.13027

8. Umgang mit der Diagnose Krebs

9. Psychoonkologie online – Expertenempfehlungen für Sie

10. Schreib dich frei

11. Stangl, W. (2019). Stichwort: 'Expressives Schreiben'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik

12. Krankheitsverarbeitung – Psychoonkologie als Fachgebiet Umgang mit der Diagnose Krebs