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Die Bedeutung des metastasenfreien Lebens

Die Bedeutung des metastasenfreien Lebens

Patienten mit Prostatakrebs, bei denen die Hormontherapie nicht mehr wirkt, befinden sich im sogenannten kastrationsresistenten Stadium. Zu den häufigsten Komplikationen, die sich in dieser Phase entwickeln können, gehören Metastasen. Wir erklären Ihnen, wie Metastasen entstehen und warum ihre Entwicklung so lange wie möglich hinausgezögert werden sollte. Zudem erfahren Sie, was Sie für Ihre Lebensqualität tun können und wie Sie mit Ihrem Arzt im Gespräch bleiben.

Die Bedeutung des metastasenfreien Lebens

Im Jahr 2018 haben mehr als eine Million Männer weltweit die Diagnose Prostatakrebs erhalten.1 Prostatakrebszellen benötigen zum Wachstum Sexualhormone, sogenannte Androgene – vor allem Testosteron. Kann der Tumor in einem frühen Stadium in der Regel mit einer Operation und/oder einer Strahlentherapie kurativ behandelt werden, gehört bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs eine klassische Antihormontherapie zur Standardtherapie. Diese Substanzen unterbinden die Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron und blockieren dessen Wirkung am Zielorgan. Der Hormonentzug verlangsamt beziehungsweise bremst das Tumorwachstum. Die Herausforderung dabei: Der Tumor wird gegen die klassische Antihormontherapie in den meisten Fällen nach Monaten oder Jahren resistent. Dieses Krankheitsstadium, in dem die Krankheit weiter fortschreitet, obwohl der Patient eine klassische Hormontherapie erhält, nennen Ärzte kastrationsresistent.2 Eine der häufigsten Komplikationen in diesem Krankheitsstadium sind Knochenmetastasen – bei 9 von 10 Patienten breiten sich die Tumorzellen bis in die Knochen aus.3 Klinisch ist der kastrationsresistente Prostatakrebs vor allem durch die Symptome von Knochenmetastasen charakterisiert, wie Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen und Taubheitsgefühl.3

Eine Eigenschaft von Tumoren ist Wachstum

Metastasen entstehen, wenn sich Krebszellen an einer anderen Stelle des Körpers ansiedeln und dort weiter teilen. Die Tumorzellen in den Metastasen verhalten sich oft ähnlich wie die Tumorzellen des Ursprungstumors. Sie sind weiterhin auch zum Beispiel als Prostatakrebszellen zu erkennen.4 Grundsätzlich können Tumorzellen in verschiedene Gewebe streuen. Die meisten Tumorarten bevorzugen dabei bestimmte Organe oder Köperregionen.5

Tumorzellen gelangen normalerweise über die Blutbahn in andere Organe oder das Gewebe. Sie siedeln sich bevorzugt in Skelettabschnitten an, die besonders gut durchblutet sind, wie die Wirbelsäule oder das Becken. Nicht alle Krebszellen, die den Ursprungstumor verlassen, entwickeln sich an anderen Stellen zu Metastasen. Wie lange es dauert, bis sich von der Entstehung des Primärtumors Metastasen entwickeln, hängt von der Tumorart ab. Zudem verläuft dieser Prozess bei jedem Patienten anders.4

Prostatakrebszellen metastasieren am häufigsten in den Knochen. Knochenmetastasen schädigen die Knochensubstanz und verringern gleichzeitig die Festigkeit des Knochens. Deshalb verursachen sie zum Teil schwerwiegende Symptome, welche die Lebensqualität der Patienten stark einschränken. Ein Großteil der Männer leidet unter starken Schmerzen (80 Prozent), die oft mit Angst- und Stresszuständen verbunden sind. Bei jedem zehnten Patienten führen Knochenmetastasen sogar zu Brüchen, die meistens in der Umgebung von Metastasen auftreten.6

Knochenmetastasen: mitverantwortlich für das Fortschreiten der Erkrankung

Neben der Verringerung der Lebensqualität bestimmen Knochenmetastasen auch das Fortschreiten der Erkrankung.7 Spricht der Tumor nicht mehr auf eine Antihormontherapie an und ist der Tumor auf die Prostataregion begrenzt und haben sich noch keine Metastasen gebildet, wird die Erkrankung als nicht-metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom bezeichnet. Die Patienten fühlen sich in der Regel gut und haben keine Symptome. Allerdings besteht das Risiko, dass der Krebs voranschreitet und Metastasen und damit auch Symptome entstehen, wie beispielsweise starke Schmerzen.3 Etwa jeder dritte Mann mit einem nicht-metastasierten kastrationsresistenten Prostatakrebs entwickelt innerhalb von zwei Jahren Metastasen (33 Prozent).8 Aus diesem Grund verfolgen Ärzte das Ziel, das Fortschreiten der Erkrankung und damit die Entwicklung von Knochenmetastasen so lange wie möglich hinauszuzögern. In der Fachsprache heißt diese Zeitspanne ‚metastasenfreies Überleben‘. In dieser Phase, in der sich die Patienten in der Regel noch gut fühlen und keine Beschwerden haben, ist es besonders wichtig, dass zur Behandlung zugelassene Medikamente gut wirken und gut verträglich sind. Denn: Eine bestmögliche Therapie kann entscheidend dazu beitragen, Auftreten von Metastasen herauszuzögern und gleichzeitig die Lebensqualität der Betroffenen erhalten.

Auf ausgewogene Ernährung achten

Zusätzlich zu einer medikamentösen Behandlung können Patienten auch selbst dazu beitragen, dass sie keine oder nur wenige Einschränkungen in ihrem Alltag haben. Einen wichtigen Baustein für eine gute Lebensqualität stellt eine ausgewogene und vollwertige Ernährung dar. Patienten sollten sich zum Essen Zeit nehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt neben Vollkornprodukten (Vollkornbrot, -Nudeln, -Reis) auch beispielsweise mindestens drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag. Diese sollten möglichst frisch und eher kurz gegart werden. Als Alternative bietet sich auch eine Portion als Saft an. Mit einer ausreichenden Menge an Obst und Gemüse versorgen sich Patienten ausreichend mit Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen (wie beispielsweise Carotinoide, Flavonoide).9

Ganz wichtig: Ausreichend Wasser – mit oder ohne Kohlensäure – oder ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee zu trinken. Idealerweise sollten es ungefähr 1,5 Liter am Tag sein.9

Mit Bewegung ein Stück „normalen“ Alltag erleben

Immer mehr Daten belegen, dass Bewegung und sportliche Aktivität die meisten Krebspatienten beim Umgang mit der Krankheit unterstützt. Gezielte Übungen können dazu beitragen, dass sich mögliche Folgen der Krankheit oder Behandlungen verringern oder diesen sogar vorgebeugt wird.10

Das ist noch nicht alles: Bewegung kann sich günstig auf das seelische Befinden von Krebspatienten auswirken und vor Ängsten oder einer Depression schützen. Außerdem hilft Bewegung bei Schlafstörungen. Patienten gewinnen durch die körperliche Aktivität oftmals mehr Energie und bekommen auf diese Weise ein Stück ihres ‚normalen‘ Alltags zurück. Zudem erleben sie wieder Vertrauen in ihre eigene körperliche Leistungsfähigkeit.10

Bereits mit einfachen Übungen können Männer mit Prostatakrebs Muskeln, Kondition, Gleichgewichtssinn und Atmung trainieren und so ihr Körpergefühl verbessern. Übrigens – auch Männer, die sich eher als „Couch potatoe“ bezeichen, profitieren von sportlicher Aktivität. Wer möchte, kann sich einer der vielen Sportgruppen für Krebs-Patienten anschließen. Krankenkassen wissen, wo es in der Nähe eine passende Gruppe gibt. Wichtig hierbei: Ob und in welchem Umfang sich Patienten bewegen oder Sport treiben können oder ob eine gezielte Physiotherapie sinnvoll sein kann, sollte mit dem Arzt besprochen werden.

Aktive Mitarbeit ist gefragt

Anders als noch vor ein paar Jahren stehen Ärzten heutzutage auch für Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs, bei denen sich bereits Knochenmetastasen entwickelt haben, mehrere Therapieoptionen zur Verfügung. Wichtig ist, dass Knochenmetastasen so früh wie möglich entdeckt werden. Denn das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, rechtzeitig eine bestmögliche Therapie einzuleiten.

An dieser Stelle kommt die aktive Mitarbeit des Patienten ins Spiel. Patienten können zur Diagnose von Knochenmetastasen beitragen, indem sie Symptome kennen und wahrgenommene Beschwerden so schnell wie möglich ihrem Arzt berichten. Zu den häufigsten Beschwerden, die auf Knochenmetastasen hindeuten können, zählen vor allem Schmerzen. Hellhörig werden sollten Patienten außerdem, wenn sie unter Schwäche- und Taubheitsgefühl leiden. Zu weiteren Symptomen gehören Anzeichen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt mit Metastasen in den Knochen in Verbindung gebracht werden. Das sind unter anderem starke Müdigkeit oder Schlafstörungen. Fällt es Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs plötzlich schwer, den Alltag wie gewohnt zu bewältigen, kann dies ebenfalls ein Signal für Knochenmetastasen sein und dem Arzt mitgeteilt werden.11

Mit einem „Symptomfragebogen“ können Patienten zwischen den Arztbesuchen mögliche Beschwerden im Blick behalten. Ein „Gesprächsleitfaden“ unterstützt Patienten dabei, sich auf das Gespräch in der Praxis vorzubereiten.



Literatur


1. Fakten zu Krebs

2. Krebsinformationsdienst - Prostatakrebs

3. Frieling SJ et al. (2015) Current and Emerging Therapies for Bone Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer, Cancer Control, 22(1): 109-120.

4. Krebsinformationsdienst - Knochenmetastasen

5. Krebsinformationsdienst - Metastasenbildung

6. Goh P et al (2007) New multidisciplinary prostate bone metastases clinic: first of its kind in Canada. Curr Oncol 14(1):9–12.

7. Nørgaard Nørgaard M et al (2010) Skeletal Related Events, Bone Metastasis and Survival of Prostate Cancer: A Population Based Cohort Study in Denmark (1999 to 2007). J Urol 184:162–167.

8. Kirby M et al. (2011) Characterising the castration-resistant prostate cancer population: a systematic review. Int J Clin Pract 65(11):1180-1192. doi:10.1111/j.1742-1241.2011.02799.

9. Deutsche Krebsgesellschaft: 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

10. Krebsinformationsdienst - Bewegung und Krebs

11. Symptome von Knochenmetastasen