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Veränderte Darmtätigkeit bei Krebs – Was Patienten selbst tun können

Veränderte Darmtätigkeit bei Krebs – Was Patienten selbst tun können

Eine Krebsbehandlung bringt oftmals eine veränderte Darmtätigkeit mit sich. Patienten klagen über einen unregelmäßigen und harten Stuhlgang, der mit Schmerzen verbunden sein kann. Eine Verstopfung kann für Krebspatienten sehr belastend sein und die Lebensqualität der Betroffenen weiter einschränken. In diesem Artikel erklären wir, was Patienten dagegen tun können.

Früchte - Darmtätigkeit

Von einer Verstopfung, auch Obstipation genannt, spricht man bei einer erschwerten Stuhlausscheidung und verminderten Stuhlfrequenz von weniger als dreimal pro Woche. Des weiteren können starkes Pressen während des Stuhlgangs, das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung gefolgt von Blähungen, Völlegefühl und Bauchschmerzen den Patienten plagen. Treten mindestens zwei Symptome über einen Zeitraum von drei Monaten oder länger auf, wird die Verstopfung chronisch.1 Zudem kann eine Verstopfung, vor allem, wenn sie länger anhält, die Lebensqualität einschränken.2

Was löst eine Verstopfung während einer Krebstherapie aus? Die Ursachen sind dabei von Patient zu Patient unterschiedlich. Oftmals handelt es sich um mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten, die den Einsatz von Abführmitteln notwendig machen. Aber auch Bewegungsmangel sowie Veränderungen im Ernährungsverhalten und eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme können die Ursache für eine Obstipation sein. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter auch die Stuhlausscheidung erschwert oder verringert sein kann. Ein wesentlicher Grund dafür kann eine geschwächte Muskulatur und der abnehmende Defäkationsreflex sein.1

Mit der richtigen Ernährung den Darm aktivieren

Patienten mit Verstopfung haben etliche Möglichkeiten, sich selbst zu helfen. Das Kooperationsprojekt „eat what you need – was essen bei Krebs?“ – ein Kooperationsprojekt des gemeinnützigen Vereins Eat What You Need e.V. – Allianz für bedarfsgerechte Ernährung bei Krebs und dem CCC München Comprehensive Cancer Center am Klinikum der Universität München Ludwig-Maximilians-Universität – gibt Patienten Erste-Hilfe-Ernährungs-Tipps für einen regelmäßigen Stuhlgang. Insgesamt gilt: Je vielfältiger und ausgewogener die Ernährung ist, desto besser.1

Die Experten empfehlen zunächst regelmäßige Essenszeiten einzuführen, um die Verdauungstätigkeit zu fördern und den Darm zu trainieren. Unterstützend kann der Verzehr von getrockneten Pflaumen (tägl. 3-4 Stück, eingelegt am Vorabend in kaltes Wasser), Sauerkrautsaft und gesäuerten Milchprodukten wie Joghurt und Buttermilch sein. Die in den gesäurterten Milchprodukten enthaltende Michsäure und Milchzucker beeinflussen auch die Darmflora positiv.1

Außderdem kann der regelmäßige Verzehr von Obst die Verdauung anregen. Denn viele Obstsorten enthalten Fruktose und Sorbitol. Das sind Zuckerarten, die den Darm aktivieren können. Größere Mengen sind in Äpfeln, Birnen, Pfirsichen, Kirschen, Rosinen und Weintrauben sowie Fruchtsäften enthalten.1

Für Patienten, die an Verstopfung leiden, empfiehlt es sich vor allem, ausreichend zu trinken. Wenn der behandelnde Arzt keine Beschränkung der Flüssigkeitsmenge empfohlen hat, kann eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von rund 2 Litern am Tag den Darm anregen. Die individuelle Trinkmenge lässt sich mit folgender Regel berechnen: 30 ml pro kg Körpergewicht. Ein 75 kg schwerer Mann würde demnach 2,25 Liter pro Tag benötigen. Eine Flüssigkeitsmege über den Bedarf hinaus, hat allerdings keine Auswirkungen auf die Darmtätigkeit. Geeignet sind Wasser und Kräutertees wie Pfefferminztee oder Fenchel-Anis-Kümmeltee. Kaffee zum Frühstück erhöht zudem bei vielen Menschen den Darmentleerungsreiz.1

Vorsicht ist beim Verzehr von ballaststoffreichen Lebensmitteln, wie Müsli, Flohsamen oder Weizenkleie geboten, da Krebspatienten oft einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt haben und auf eine Steigerung der Ballaststoffe mit Bauchschmerzen und Blähungen reagieren können. Nicht für alle Krebspatienten ist eine ballaststoffreiche Ernährung gleichermaßen sinnvoll. Der Krebsinformationsdienst rät deshalb, eine anhaltende Verstopfung immer mit dem behandelnden Arzt abzuklären.2

Regelmäßige Bewegung tut dem Darm gut

Patienten können noch mehr tun. Neben einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Trinkmenge kann sich zusätzlich eine Änderung des Lebensstils verdauungsfördernd auswirken. Besonders vorteilhaft wirkt sich regelmäßige Bewegung auf die Darmtätigkeit aus. Patienten sollten sich dabei soviel bewegen, wie die Ärzte erlauben: Insgesamt können Patienten die Bewegung in den Alltag integrieren oder sich gezielt sportlich betätigen.2

Das Bewegungspensum lässt sich ganz einfach erhöhen, indem beispielsweise kürzere Strecken zu Fuß zurückgelegt werden und das Auto in der Garage bleibt oder die Treppe anstelle des Aufzugs benutzt wird. Auch Schwimmen und gemütliche Spaziergänge eignen sich, um den Darm in Schwung zu bringen. 30 Minuten Bewegung am Tag sind empfehlenswert – sofern es die Fittness der Patienten zulässt. Entspannend und wohltuend für den strapazierten Darm wirkt eine Wärmflasche. Auch Bauchmassagen können die Darmtätigkeit anregen. Dabei wird mit leichtem Druck die Bauchdecke im Uhrzeigersinn massiert.1

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Deshalb ist es sinnvoll, Routine in den Toilettengang zu bringen und den Darm an bestimmte Zeiten zu gewöhnen. Am besten ist es, die natürlichen Bewegungsphasen des Darmes nach den Mahlzeiten zu nutzen, den Stuhlgang nicht zu unterdrücken und ausreichend Zeit für den Toilettengang einzuplanen. Morgens nach dem Frühstück sind die Darmbewegungen in der Regel am stärksten.1

Wann sind Abführmittel sinnvoll?

Als ersten Schritt in der Behandlung einer chronischen Obstipation empfehlen die Experten zunächst eine Ernährungsumstellung kombiniert mit Bewegung, Entspannung und Darmtraining. Bei besonders hartnäckigen Verstopfungen ist mit dem Arzt abzuklären, ob der Einsatz von Abführmitteln notwendig ist. Patienten mit weiter fortgeschrittener Krebserkrankung leiden ebenfalls oft unter hartnäckiger Verstopfung. Von alleine verbessert sich das Problem meist nicht und Hausmittel bieten auch keine Erleichterung. In dieser Situation wird Patienten in der Regel ein abführendes Medikament vom Arzt verschrieben.2

Ganz wichtig: keine rezeptfreien Abführmittel ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen

Krebspatienten mit Verstopfung sollten nicht selbst aktiv werden, bevor sie mit dem Arzt gesprochen haben. Das gilt vor allem für die Einnahme rezeptfreier Medikamente, die sich in der Hausapotheke finden. Denn bei einer Krebserkrankung eignen sich nicht alle Abführmittel in jeder Situation.2



Literatur


1. Was-essen-bei-Krebs.de - Was essen bei Verstopfung?

2. Krebsinformationsdienst – Verstopfung bei Krebs: Ursachen, Vorbeugung und Behandlung von Obstipation