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Probleme mit der Erektion

Probleme mit der Erektion – Was Prostatakrebs-Patienten wissen sollten

Ist das Thema Sex jetzt für mich vorbei? Diese Frage stellen sich viele Männer mit Prostatakrebs. Denn wird die Prostata durch eine Operation entfernt, kann dies auch mit Erektionsproblemen einhergehen. Die meisten Männer verunsichert es erheblich, wenn sie ihre Sexualität nicht mehr ausleben können, wie sie möchten. Dieser Artikel erklärt, wie Betroffene mit der Situation umgehen können und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.

Probleme mit der Erektion

Für die meisten Menschen ist Sexualität ein wichtiger Teil ihrer Beziehung. Sie befriedigt nicht nur die Lust, sondern dient auch dazu, dem Partner besonders nahe zu sein. Hinzu kommt, dass Sexualität ein Zeichen für Vertrauen, Zuneigung, Zärtlichkeit, Respekt und gemeinsame Werte darstellt.1 Deshalb ist es für viele Männer mit Prostatakrebs ein Schock, wenn sie nach der Prostata-Operation oder im weiteren Verlauf der Erkrankung keine ausreichende Erektion mehr bekommen oder diese nicht aufrechterhalten können.2

Voraussetzung für eine Erektion ist sexuelle Erregung. Das Gehirn sendet dann Nervensignale in die Gegend von Prostata, Harnröhre und After bis in den Penis. Dort werden chemische Botenstoffe freigesetzt, die bewirken, dass sich die Blutgefäße erweitern, das Blut in die Gefäße schießt und die Schwellkörper anschwellen – der Penis wird steif. Wichtig dabei ist: Eine Erektion passiert einfach. Sie willentlich herbeizuführen, ist nicht möglich. Allerdings kann sie unter anderem von geschädigten Nerven oder mangelnder Durchblutung beeinflusst werden. Auch Gefühle wie Stress, Versagensängste und Nervosität können verhindern, dass der Penis steif wird.1

Beim Orgasmus ziehen sich beispielsweise Geschlechtsorgane, Beckenboden und Schließmuskeln rhythmisch zusammen. Meistens kommt es dabei zur Ejakulation – dem Samenerguss. Männer können Orgasmen ohne Ejakulation und Ejakulationen ohne Orgasmen erleben.1

Sexuelle Lust ist auch ohne Erektion möglich

Die gute Nachricht: Man(n) braucht nicht unbedingt eine Erektion, um sexuelle Lust zu erleben und zum Orgasmus zu kommen. Denn verantwortlich für die Lust ist das Sexualzentrum im Zwischenhirn. Kommt es zum Orgasmus, senden Penis und andere erogene Zonen wie Hodensack oder Hoden Nervenimpulse an das Gehirn. Dort werden diese Nervenimpulse als Lustempfindungen entschlüsselt. Die Nerven, die das Lustempfinden im Gehirn auslösen, sind besonders „sensibel“. Sie unterscheiden sich deutlich von den Nerven, die Impulse vom Gehirn zum Penis senden und so die Erektion lenken.1

"Sex ist immmer ein Bedeutungsraum"

Der Gedanke, dass Paare auch Sex ohne „richtigen“ Sex haben können, das heißt ohne Penetration, ist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht sehr verbreitet.3 Angelika Eck, systemische Paar- und Sexualtherapeutin, schreibt dazu, „Sex ist immer ein Bedeutungsraum“. Und gerade mit dem Sex ist es tückisch. So suggerieren Zeitschriften und Beiträge im Internet, wie Sexualität idealerweise aussehen sollte. Dabei geht es vielmehr darum, welche Bedeutung Menschen der Sexualität in ihrer aktuellen Lebenssituation geben wollen. Das beinhaltet auch, sich frei zu machen von Erwartungen, die von außen herangetragen werden. Nicht nur Paare mit einem kranken Partner, sondern auch viele Paare, die lange zusammen sind, wenden sich dann häufig ruhigeren sexuellen Praktiken zu.4 Beispielsweise dem Austausch erotischer Phantasien, Partnermassagen oder sie stimuliert ihn oder er sie.5

Gemeinsam reden und einen neuen Weg finden

Auch wenn es schwerfällt, eine Voraussetzung dafür, Sexualität neu zu entdecken, ist das Gespräch: Ein Paar kann sich zum Beispiel Fragen stellen, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachten: „Wie war unsere Sexualität vor der Krankheit? War ich zufrieden? Wie oft hatten wir Sex? Was wünsche ich mir jetzt? Wie haben wir früher über unsere Sexualität gesprochen? Wie machen wir das jetzt? Wie geht es meinen Partner? Gibt es in unserer Beziehung eine gemeinsame Sprache für Sex?“1

Allerdings sollte sich kein Paar unter Druck setzten. Denn Krebs dringt tief in das Leben der Betroffenen und ihrer Partner ein.5 Und bei Prostatakrebs kommt hinzu, dass die Krankheit die Männlichkeit berührt. Viele Männer erleben den Verlust ihrer Potenz als „Ende der Männlichkeit“. Sie empfinden sich als Versager, besonders in einer so sexualisierten Gesellschaft wie der unseren.6 Geduld, Geborgenheit und Einfühlungsvermögen sind deshalb in dieser Situation besonders wichtig.5

Wie bei vielen anderen Dingen im Leben gibt es auch beim Sex kein „richtig“ oder „falsch“. Jeder sollte für sich selbst herausfinden, was ihm jetzt guttut. So geht es für den einen um Zärtlichkeit und Geborgenheit. Für einen anderen ist es wichtig, sich gerade jetzt in der Sexualität zu beweisen. Gar keine Lust auf Sex zu haben, auch über einen längeren Zeitraum, ist ebenfalls völlig in Ordnung.5

Aufschlussreich und doch nicht überraschend ist das Ergebnis einer japanischen Studie. Es zeigt, dass Männern nach Entfernung der Prostata Sex wichtiger ist als ihren Partnerinnen: 35,2% der Männer mit Prostatakrebs gaben vor der Operation an, dass ihnen ein befriedigendes Sexualleben sehr wichtig ist, bei ihren Partnerinnen waren es nur 13%. Auch lag den Männern mehr am Erhalt der Erektionsfähigkeit nach der Operation als den Frauen (66% vs. 33,3%).7

Thema Hilfsmittel

Wer sich für die Behandlung mit einem Hilfsmittel entscheidet, sollte sich bewusst machen, dass dies immer ein „kann“ impliziert. Eine entsprechende Behandlung ist nur dann angebracht, wenn der „Leidensdruck“ hoch ist. Wenn betroffene Paare nicht auf Geschlechtsverkehr verzichten wollen, sollten sie wenige Wochen nach der Operation wieder mit dem Geschlechtsverkehr beginnen. Denn die Schwellkörper im Penis müssen wieder durchblutet werden, damit sich das Gewebe nicht zurückbildet.2

Die Vakuumpumpe ist als eine mechanische Erektionshilfe vor allem für Patienten geeignet, denen die Prostata operativ entfernt wurde. Sie hilft dabei, die Erektionsfähigkeit wieder zu erlangen. Dabei kann sie auf eine lange Geschichte zurückblicken, da sie bereits vor 100 Jahren bei Erektionsstörungen zum Einsatz kam. Die Vakuumpumpe funktioniert, indem ein Zylinder über den Penis gesteckt wird. In dem Zylinder wird ein Unterdruck erzeugt, dadurch fließt Blut in die vom Unterdruck erweiterten Schwellkörper, der Penis wird steif. Damit das Blut nicht aus dem Schwellkörper abfließt, wird ein gummierter Schnürring um die Penisbasis gelegt. Auf diese Weise wird die Erektion aufrechterhalten. Allerdings sollte der Ring nach spätestes einer halben Stunde abgenommen werden, um Durchblutungsstörungen zu vermeiden.8

Patienten können sich vom Arzt auch Tabletten verordnen lassen. Damit entstehen allerdings nicht automatisch Erektionen, sondern nur, wenn der Mann auch sexuell erregt ist. Zudem verstärken die Tabletten lediglich vorhandene Funktionen des Körpers. Passiert dort nichts mehr, wirken sie nicht.2

Bei der Schwellkörperautoinjektionstherapie spritzt sich der Mann ein Medikament seitlich in den Schwellkörper des Penis. Das ist nicht so schmerzhaft ist, wie es klingt. Ganz wichtig: Die Erektion darf nicht zu lange anhalten, denn das ist ein urologischer Notfall. Aus diesem Grund muss der Patient bei der Schwellkörperselbstinjektion zunächst unter Aufsicht des Urologen die richtige Dosis finden.2

Als letzte Option kann ein Penisimplantat helfen. Bei dieser Methode werden zwei Silikon-Zylinder in die Penis-Schwellkörper eingesetzt, dazu eine kleine Pumpe in den Hodensack und ein Mini-Tank mit Kochsalzlösung in den Unterbauch. Das Implantat funktioniert, indem der Mann an die Hoden greift, so den Penis aufpumpt und eine Erektion bewirkt.2

Die Therapien gegen erektile Dysfunktion müssen vom Arzt verschrieben werden.2 Patienten sollten sich zudem unbedingt mit ihrem Arzt über die genaue Funktion des gewählten Hilfsmittels austauschen, denn nur so kann eine sichere Anwendung gewährleistet werden.

Weitere Informationen zum Thema finden betroffene Männer auch auf der „Website der Selbsthilfegruppe“



Literatur


1. MÄNNLICHE SEXUALITÄT UND KREBS, Deutsches Krebsforschungszentrum, 2014

2. Silke Droll, Sexualität nach der Prostataoperation, Apothekenumschau, 2017

3. Nicola Erdmann, Sex ohne Sex? Die Welt, 2015

4. Angelika Eck, Libidoverlust: Ist Sex über 50 nur noch eine Schmusedecke? Aus der Serie „Schafzimmerblick“, Zeit-Magazin, 2019

5. Krebsgesellschaft: Sexualität nach einer Krebserkrankung

6. 45 Minuten – Impotenz: Die Angst der Männer, 2016

7. Yoshikazu Sato et al. Dissociation between patients and their partners in expectations for sexual life after radical prostatectomy, International Journal of Urology, 2013

8. Urologenportal, Einfach und effektiv: Vakuumpumpe gegen Erektionsproblem, aktualisiert am 9. September 2019