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Fachbegriffe und Abkürzungen für Krebspatienten

Fachbegriffe und Abkürzungen für Krebspatienten

In jedem medizinischen Fachbereich verständigen sich Ärzte und medizinisches Personal mit Fachbegriffen und Abkürzungen. Für Patienten ist es oft nicht einfach, solchen Unterhaltungen zu folgen und die Arztberichte zu verstehen. Es gibt eine Reihe von Begriffen, die jeder Patient kennen sollte. Denn wer sie versteht, kommt schneller mit der noch unbekannten Materie zurecht. Wir stellen Ihnen hier vor, wie Ärzte Informationen austauschen und mit welchen Methoden sie eine Krebserkrankung beschreiben – dabei erläutern wir auch für das Prostatakarzinom relevante Begriffe.

Fachbegriffe und Abkürzungen für Krebspatienten

Der Arztbrief – wie Ärzte Informationen austauschen

Ärzte sind dazu verpflichtet, alle Ergebnisse, die sich aus Untersuchungen und Behandlungen ergeben haben, schriftlich festzuhalten. Aus diesem Grund wird für jeden Patienten eine Akte angelegt. Auch wenn Ärzte ihre Patienten zur Folgebehandlung an einen Kollegen überweisen, teilen sie diesem üblicherweise alle wichtigen Angaben über bisher durchgeführte Untersuchungen und Behandlungen mit.1

In der Regel tauschen Ärzte Informationen über Patienten in Form eines Arztbriefes miteinander aus. Daher bekommen auch Patienten, die in einer Facharztpraxis oder Klinik behandelt wurden, bei der Entlassung einen Arztbrief für den überweisenden Arzt mit. Wurde beispielsweise ein Patient mit Prostatakarzinom vom Urologen an einen Strahlenmediziner überweisen, erhält er nach Abschluss der Therapie einen Arztbrief, den er seinem Urologen bei der Anschlussuntersuchung aushändigt. In manchen Fällen wird der Brief direkt an den überweisen Arzt gesendet – auch zunehmend auf dem elektronischen Wege.1

Der Arztbrief enthält Informationen über die Untersuchungen, die in der Klinik oder Praxis vorgenommen wurden und beinhaltet die genaue Diagnose. Er gibt an, wie sich die Untersuchungsergebnisse – in der medizinischen Fachsprache Befunde genannt – auf die Wahl der Therapie auswirken und welche Medikamente der Patient bekommt. Das Kürzel o.B. bedeutet zum Beispiel ohne Befund. Darüber hinaus enthält der Arztbrief Empfehlungen an die Kollegen, die den Patienten weiterbehandeln.

Grundsätzlich können Patienten den Arztbrief auch für ihre eigenen Unterlagen erhalten.1

In der Diagnostik bedeutet „negativ“ meist eine gute Nachricht

Spricht der Arzt von einem negativen Untersuchungsergebnis, heißt dies, dass keine Hinweise auf eine Erkrankung gefunden wurden. Für den Patienten ist dies in der Regel eine gute Nachricht.²

Anders sieht es bei einem positiven Ergebnis aus. Hier hat die Untersuchung Hinweise auf eine Erkrankung ergeben² – beispielsweise wenn in den Gewebeproben, die der Prostata entnommen wurden, bösartige Gewebeveränderungen gefunden wurden.

Buchstabencodes zur Beschreibung der Krebserkrankung

Um eine Krebserkrankung zu beschreiben, verwenden Ärzte sogenannte Diagnoseschlüssel und international gültige Klassifikationssysteme. Das sind aus Zahlen und Buchstaben zusammengesetzte "Codes", die es Ärzten aller Fachbereiche ermöglichen, eine Erkrankung exakt dazustellen. Die meisten Bezeichnungen kommen aus dem Englischen und werden daher entsprechend abgekürzt. Der Diagnoseschlüssel, hierzu zählt unter anderem die deutsche Version der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten (International Classifikation of Diseases, ICD-10-GM), beinhaltet alle Zahlen von 0 bis 99.1 Beispielsweise beschreibt C61 Prostatakrebs.3 C50 steht für Brustkrebs.1

Das TNM-System beschreibt Ausbreitung und Stadien einer Krebserkrankung. Dabei steht T für Tumor, N für Nodus (Lymphknoten) und M für Metastasen. Die Einteilung erfolgt dabei nach den folgenden drei Gesichtspunkten:

  • T : Größe und Ausbreitung des Tumors.
  • N : Fehlen oder Vorhandensein von örtlich oder benachbarten Lymphknotenmetastasen
  • M : Fehlen oder das Vorhandensein von Fernmetastasen – bei Prostatakrebs sind das beispielsweise Metastasen in den Knochen, der Lunge oder Leber

Die Zahlen hinten der Buchstaben T, N, M geben an, wie weit sich die Erkrankung fortgeschritten ist.

T steht für den Primär-Tumor. Die angehängte Zahl (1-4) zeigt an, wie groß der Tumor ist und ob weitere Organe beteiligt sind. T0 heißt, dass kein Primärtumor nachweisbar ist.

N gibt Hinweise darauf, wie weit Lymphknoten befallen sind. N0 bedeutet, dass keine Lymphnoten befallen sind. N1-3 zeigt einen zunehmenden Lymphknotenbefall an.

M beschreibt die Bildung von Metastasen. M0 hießt, dass es keine Hinweise auf entfernte Metastasen gibt, während M1 für das Vorhandensein von Metastasen steht.

Ärzte kombinieren die Buchstaben und Zahlen, damit die Kollegen sofort erkennen können, welche Diagnose bereits festgestellt wurde. T4 N3 M1 würde anzeigen, dass der Patienten einen größeren Tumor hat, der sich auf die Lymphknoten ausgebreitet und entfernte Metastasen gebildet hat. T1 N0 M0 würde einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen beschreiben.1,4

Die R-Klassifikation gibt an, ob der Tumor durch die Operation vollständig entfernt werden konnte oder ob Tumorreste im Körper zurückblieben.1 Dabei werden vier Gruppen unterschieden:5

  • R0: mit dem Mikroskop ist kein Resttumor erkennbar
  • R1: mit dem Mikroskop ist ein Resttumor erkennbar
  • R2: mit dem Auge ist ein Resttumor erkennbar
  • RX: der Resttumor ist nicht beurteilbar

Der Gleason-Score gibt an, wie aggressiv der Prostatakrebs ist

Der Gleason-Score zeigt an, wie aggressiv ein Tumor der Prostata ist. Beim Prostatakarzinom verwendet der Pathologe (Fachgebiet, das krankhafte Zustände und Vorgänge im Körper beschreibt) den sogenannten Gleason-Score, um die Aggressivität des Tumors darzustellen. Das heißt, zur Bestimmung des Gleason-Scores untersucht der Pathologe, ob und wie stark sich die Zellmuster im untersuchten Gewebe vom Zellmuster gesunder Prostatazellen unterscheiden. Eine Tumorzelle ist umso bösartiger, je weniger sie normalem Gewebe ähnelt. Aggressive Tumoren können sich schneller ausbreiten als weniger aggressive Tumoren. Der Gleason-Score wird als Ziffer zwischen 2 und 10 angegeben – je höher die Ziffer, desto bösartiger ist der Tumor.6

Die Zahlen des Gleason-Scores drücken folgendes aus:6

  • Gleason-Score 2 – 4: gut differenzierter Tumor
  • Gleason-Score 5 – 6: mittelgradig differenzierter Tumor
  • Gleason-Score 7: mittelgradig bis schlecht differenzierter Tumor
  • Gleason-Score 8-10: schlecht- bis entdifferenzierter Tumor

Die Behandlung des Patienten richtet sich insgesamt nach dem Stadium der Erkrankung, dem Gleason-Score und der R-Klassifikation.

Haben Sie Fragen zu Ihrer Prostatakrebserkrankung: Sie können den Informationsdienst des deutschen Krebsforschungszentrums kostenlos täglich von 8 bis 20 Uhr erreichen: 0800 - 420 30 40.



Literatur


1. Arztbriefe, Krankenakte: Befunde und Abkürzungen verstehen – Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

2. Dr. Wimmer: Was bedeutet positiv und negativ? – Norddeutscher Rundfunk(NDR)

3. ICD-Code 61 – www.icd-code.de

4. Klassifikation von Tumoren (TNM-System & Grading) – Deutsche Krebsgesellschaft

5. R-Klassifikation – www.onkopedia.com

6. Gleason-Score: Wie aggressiv ist mein Prostatatumor? – Prostata Hilfe e.V.