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WAS GIBT ES NEUES?

Wie künstlerische Therapien Krebspatienten Kraft geben können

Wie künstlerische Therapien Krebspatienten Kraft geben können

Kann Malen, Tanzen oder Musizieren bei Krebs helfen? Im ersten Moment fällt es schwer, das zu glauben. Und tatsächlich gab es lange Zeit keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege zur Wirkung von Kunsttherapien bei Patienten mit Krebs. Heute geht man davon aus, dass begleitende psychosoziale Behandlungen wie künstlerische Therapien Patienten dabei unterstützen können, mit einer Krebserkrankung besser umzugehen. Viele Krebspatienten gewinnen mit künstlerischen Therapien neue Kraft, steigern ihr Wohlbefinden und verringern ihre Beschwerden.

Was Prostatakrebs-Patienten mit Inkontinenz hilft

Ob Musiktherapie, Kunsttherapie, Tanztherapie oder Poesie- und Schreibtherapie – diese Therapieformen helfen dem Patienten, seinen Körper intensiver wahrzunehmen, wieder psychische Kontrolle über sich selbst zu erlangen und verbessern somit letztlich die Lebensqualität. Aber wie funktioniert das genau? Um das zu verstehen, muss man sich erst einmal bewusst machen, dass zwischen psychischen und physischen Prozessen Wechselwirkungen bestehen. So kann sich eine erfolgreiche psychische Entspannung auch positiv auf der körperlichen Ebene auswirken, da dadurch Emotionen besser zugelassen und eingeordnet werden können und somit Stress und Angst reduziert werden. In der Maltherapie beispielsweise kann der an Krebs Erkrankte seine Gefühle mit Farben und Formen ausdrücken, in der Tanztherapie setzt er sich mit seinem Körper auseinander und beeinflusst so die Körperwahrnehmung und das eigene Körperbild positiv. Die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, gibt dem Patienten das Gefühl, in die Behandlung einbezogen zu sein und selbst etwas zur Behandlung beitragen zu können[1][2].

Musik hören sowie selbst musizieren verringert Angst und Schmerzen

Insbesondere die musiktherapeutischen Behandlungen werden seit Jahrzehnten erfolgreich in der psychiatrischen, psychosomatischen, neurologischen, geriatrischen, pädiatrischen sowie in der intensiv- und palliativmedizinischen Versorgung von Patienten eingesetzt. Die Untersuchungen, die bisher zu diesem Thema durchgeführt wurden, lieferten unterschiedliche Ergebnisse oder waren nicht immer wissenschaftlich fundiert. Um die Daten und Befunde zu sortieren, trug Cheryl Dileo vom Boyer College of Music and Dance in Philadelphia im Jahr 2011 gemeinsam mit Kollegen Daten von insgesamt 1.891 Patienten aus 30 verschiedenen Studien zusammen und wertete sie aus[3].

In 17 Studien bekamen die Patienten Musik zu hören, während sie in den restlichen 13 Studien, unter Anleitung von Musiktherapeuten unter anderem selbst musizierten. Die Auswertung von Dileo und ihren Kollegen zeigte, dass die Angst der Patienten in beiden Gruppen sank und sich der Gemütszustand verbesserte. Zusätzlich konnte festgestellt werden, dass sich mithilfe der Musik in geringem Maße die Herzrate und der Blutdruck reduzierte und die Patienten den Schmerz als etwas weniger stark empfanden.3 Das systematische Review beruhe aber auf Studien mit methodischen Mängeln und die Ergebnisse müssten deshalb vorsichtig interpretiert werden, schreiben die Wissenschaftler.

Musiktherapie unterstützt unheilbar kranke Menschen

Im Jahr 2015 gelang der Arbeitsgruppe um Marco Warth, dem Preisträger des Reinhold-Schwarz-Preises für Psychoonkologie, der wissenschaftlich fundierte Nachweis eines Zusammenhangs von Musiktherapie und dem Gesundheitszustand der Patienten[3].

Warth und seine Kollegen untersuchten hierzu 84 Patienten einer Palliativstation. In der randomisierten und kontrollierten Studie wurden die Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt: Musiktherapie-Gruppe und Kontrollgruppe. Vor und nach der musiktherapeutischen Behandlung wurden sie zu ihrem Wohlbefinden, ihrem Stresslevel und ihrem Schmerzerleben anhand einer Skala befragt. Ebenso wurden Herzfrequenz und Durchblutung kontrolliert. Die Musiktherapie-Gruppe hörte zwei Sitzungen eine live gespielte musikalische Entspannungsübung. Die Kontrollgruppe hörte in zwei Sitzungen eine gesprochene Entspannungsübung. Die Messung des Grades der Entspannung, des Wohlbefindens und des Akutschmerzes nach den Sitzungen zeigte, dass die Patienten, die an der Musiktherapie teilgenommen hatten, sich anschließend wohler, entspannter und weniger erschöpft fühlten, als die Patienten der Kontrollgruppe. Auch die Messung der Herzfrequenz sprach für eine Stressreduktion in der Musiktherapie-Gruppe. Hinsichtlich einer Schmerzreduktion zeigten sich zwischen den beiden Gruppen jedoch keine signifikanten Unterschiede. Warth und Kollegen folgerten aus ihrer Forschung, dass die Musiktherapie eine effektive Maßnahme zur Förderung von Entspannung und Wohlbefinden von unheilbar kranken Menschen in der palliativmedizinischen Versorgung ist[4].

Potential künstlerischer Therapien

Heute sind künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung sehr gut etabliert. Die Patienten können sich durch sie mit der Erkrankung intensiver auseinandersetzen und neue Erfahrungen machen. Doch der wissenschaftliche Kenntnisstand zum Nutzen dieser Therapieformen ist noch sehr unterschiedlich, wobei sich die Beweislage zur Wirksamkeit in den vergangenen Jahren bereits deutlich verbessert hat. Dieses große Potential sollte zukünftig noch besser ausgeschöpft werden. Spezifische Methoden und Forschungsinstrumente müssen weiter entwickelt werden und Forschungsvorhaben zu diesem Thema sollten gezielt unterstützt und entsprechende Angebote sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich ausgebaut werden[2].

Einige Landeskrebsgesellschaften bieten ein umfassendes Angebot an künstlerischen Therapien an. Auf den jeweiligen Internetseiten werden die Veranstaltungen und Kurse regelmäßig aktualisiert.[1].



Literatur


1. Künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung – Krebsgesellschaft

2. Künstlerische Therapien in der Onkologie – Springermedizin

3. Mit jedem Beat weniger Angst vor dem Tumor – Springermedizin

4. Musiktherapie in der Palliativmedizin – Ärzteblatt