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Was Prostatakrebs-Patienten mit Inkontinenz hilft

Was Prostatakrebs-Patienten mit Inkontinenz hilft

Viele Männer haben direkt nach der Entfernung der Prostata (medizinisch: Prostatektomie) Probleme damit, den Urin zu halten. Bei den meisten Patienten verschwindet die Inkontinenz ein paar Monate nach der Operation wieder. 15 Prozent der Patienten sind jedoch dauerhaft vom ungewollten Urinverlust betroffen. Für diese Gruppe gibt es einige Behandlungsmöglichkeiten[1]

Was Prostatakrebs-Patienten mit Inkontinenz hilft

Verliert ein Mann nach der Prostata-Entfernung ungewollt Urin, ist das erst einmal ein Schock. Die gute Nachricht: Die Inkontinenz bleibt meist nur in den ersten Monaten nach der OP bestehen, und bei den meisten Männern kündigt sich schon bald eine Verbesserung an: So kann der Patient seine Blase wieder kontrollieren, wenn er keinen Stress hat. Beispielsweise beim Entspannen auf dem Sofa. Wenn er sich viel bewegt oder im Laufe des Tages ermüdet, kann die Inkontinenz noch einige Zeit bestehen bleiben [1].

Patienten haben meist eine Belastungsinkontinenz

Die Gründe für den ungewollten Harnverlust nach einer Prosatatektomie sind vielfältig. Ist der Schließmuskel infolge der Operation geschwächt, zeigt sich dies als Belastungsinkontinenz. Das heißt, die Patienten verlieren ungewollt Urin, wenn sie sich bewegen, husten oder Sport treiben. In sehr seltenen Fällen kann die Schwächung des Schließmuskels auch darauf zurückzuführen sein, dass dieser während der Operation verletzt wurde. Für diese Verletzungen sind meist operationsbedingte Nerven- und Muskelirritationen verantwortlich, die sich allerdings im Laufe des Heilungsprozesses erholen können. Auch wenn sich die Lage des Schließmuskels nach der Operation verändert hat und dieser die Blase nicht mehr richtig abdichtet, kann der Patient ungewollt Urin verlieren. Bei einigen Männern kommt zur Belastungsinkontinenz auch eine Dranginkontinenz hinzu, da die Blase durch die Operation gereizt wurde [1]. Unter einer Dranginkontinenz versteht man einen plötzlich auftretenden starken Harndrang, der nicht mehr kontrolliert werden kann [2].

Dass sie den Urin nicht mehr halten können, erleben viele Männer als Kontrollverlust und einschneidende Einschränkung ihrer Lebensqualität – vor allem dann, wenn die Inkontinenz nach der Entfernung der Prostata länger anhält. Oftmals ziehen sich die Patienten in dieser Situation zurück und fangen an, soziale Kontakte zu meiden.

Das muss nicht sein: Auch wenn das Thema Inkontinenz mit Scham behaftet ist, und es vielen Männern schwerfällt, darüber zu sprechen, sollten sie sich ihrem Arzt anvertrauen. Dem Arzt ist das Problem nicht fremd. Er weiß, was in dieser Situation zu tun ist und welche Behandlung dem Patienten am besten helfen kann.

Mit Blasendruckmessung und Blasenspiegelung Ursachen abklären

Bei Patienten, die nach den ersten drei Monaten der Operation noch Probleme haben, den Urin zu halten, wird eine Diagnostik durchgeführt, um die genauen Ursachen zu klären. Zu den zentralen diagnostischen Verfahren gehören die Blasendruckmessung und die Blasenspiegelung. Bei letzterer werden sowohl dünne als auch flexible Geräte eingesetzt [1]. Mit der Blasendruckmessung prüft der Arzt die Funktion des Blasenmuskels und testet, wie viel Flüssigkeit die Blase aufnehmen kann [3]. Außerdem kann der Patient während der Untersuchung überprüfen, ob er beim Husten unwillkürlich Urin verliert [4]. Geht es um die Diagnostik der Schließmuskelfunktion, kommen spezielle Kameras zum Einsatz. Die Kamera zeigt dem Patienten mögliche Fehler beim Anspannen der Schließmuskelfunktion. Im Anschluss daran kann der Patient mittels Video-Endoskopie (beweglicher Schlauch, der mit einer Art Kamera verbunden ist) und Biofeedback das richtige Anspannen erlernen [1].

Muskelaufbautraining und Biofeedbacktraining helfen

Ein Therapieansatz bei der Inkontinenz nach der Prostata-OP ist eine konservative Behandlung mit Muskelaufbautraining. Die beiden wichtigsten Methoden dieser Strategie sind das Schließmuskel- und das Biofeedback-Training [1]. Damit der Patient entsprechende Übungen richtig durchführt und sich keine Fehler einschleichen, wird empfohlen, das Schließmuskeltraining am besten mit einem spezialisierten Physiotherapeuten durchzuführen. Patienten können sich bei ihrem Arzt oder den Krankenkassen nach entsprechenden Adressen erkundigen. Beim Biofeedbacktraining wird dem Patienten gezeigt, ob er die richtigen Muskeln anspannt und ob diese Anspannung ausreichend ist. Hierzu wird eine kleine Sonde in den Analkanal gelegt und ein Sensor übermittelt die Anspannung der Beckenbodenmuskulatur. Diese Messwerte dienen als wichtige Anhaltspunkte beim Training. Wendet der Patient die Methode konsequent an, können die Beckenbodenmuskeln gestärkt werden: Die Inkontinenz nach der Prostata-OP kann sich verbessern. Biofeedbackgeräte verschreibt der Urologe – auch für die Anwendung zu Hause [5].

Die Lage der Harnröhre mit Band-Kissen-System korrigieren

Hat sich die Inkontinenz ein Jahr nach Entfernung der Prostata nicht gebessert, wird meist eine Operation in Betracht gezogen [1]. So kann eine nach der Prostata-Entfernung veränderte Lage der Harnröhre mit einem kombinierten Band-Kissen-System korrigiert werden. Ein zusätzlich eingesetztes Kissen gibt der Harnröhre Halt und übt gleichzeitig Druck aus. Da das Kissen nachgefüllt werden kann, ist es möglich, den Druck auf die Harnröhre zu einem späteren Zeitraum zu verändern [6]. Funktioniert der Schließmuskel der Harnröhre überhaupt nicht mehr, haben Ärzte die Möglichkeit, einen künstlichen Schließmuskel einzusetzen. Der künstliche Schließmuskel besteht aus drei Teilen: einer winzigen Pumpe, einem Behältnis für die Flüssigkeit und einer Manschette. Letztere wird um die Harnröhre gewickelt und mit einer Flüssigkeit gefüllt. So kann sich die Manschette ausdehnen und die Harnröhre verschließen [6].

Sind Sie Patient und verlieren nach der Entfernung Ihrer Prostata ungewollt Urin? Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er wird mit Ihnen gemeinsam entscheiden, was zu tun ist.

Für Patienten, die ungewollt Urin verlieren, gibt es speziell auf die männliche Anatomie zugeschnittene Produkte (Slipeinlagen, Penistaschen). Diese können im Sanitätsfachhandel, Drogerien und entsprechend auch im Internet erworben werden.



Literatur


1. Harninkontinenz nach Prostata-Operation, Prof. Dr. med. Daniela Schultz-Lampel, Schwarzwald-Baar Klinikum

2. Dranginkontinenz, Prof. Dr. med. habil. Udo Rebmann, urology-guide.com

3. Blasendruckmessung, Beckenbodenzentrum Südhessen

4. Hintergrundwissen Niere und Harnwege, Dr. med. André Lauber, apotheken.de

5. Inkontinenz nach Prostata OP, Dr. med. Thomas Seyrich, Kliniken Bad Bocklet AG

6. Inkontinenz nach Prostata-OP: Was hilft?, Norddeutscher Rundfunk