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Sagen, was einem auf der Seele liegt – Wie Patienten und Angehörige über den Krebs sprechen können

Sagen, was einem auf der Seele liegt – Wie Patienten und Angehörige über den Krebs sprechen können

Krebs bringt die Seele aus dem Gleichgewicht. Das gilt nicht nur für den betroffenen Patienten, sondern auch für seine Familie. Um niemanden zu belasten, ziehen sich beide Seiten oftmals zurück und verfolgen die Vermeidungsstrategie „Schweigen“. Wenn über die tatsächlichen Gefühle nicht geredet wird, kann dies zu einer Entfremdung von Patienten und ihrem Umfeld führen. Aufrichtige und ehrliche Gespräche tragen dazu bei, Vertrauen zu schaffen und Probleme zu klären.

 Wie Patienten und Angehörige über den Krebs sprechen können

Krebs stellt nicht nur das Leben der Patienten auf den Kopf, sondern belastet das gesamte Umfeld. Viele Patienten erleben nach der Diagnose ein Wechselbad der Gefühle und werden sehr empfindsam [1]. Das wirkt sich auch auf die Kommunikation aus. Besonders wenn es darum geht, offen und ehrlich miteinander zu sprechen. Gerade Paare fallen dabei häufig in ein „kommunikatives Loch“ und Schweigen, wenn es um ihre Probleme geht. Der Kranke möchte seinen Partner nicht belasten, während dieser sich schrecklich um den Patienten sorgt. Eine so schwere Erkrankung wie Krebs konfrontiert aber auch den gesunden Partner mit der legitimen Frage, wie es mit seinem eigenen Leben weiter gehen soll [2].

Gelingt es Patienten und Angehörigen, offen miteinander umzugehen, entsteht dabei nicht nur Vertrauen, sondern es können darüber hinaus auch Probleme geklärt werden. Sprechen beide Seiten ihre Sorgen offen aus und lassen sowohl schöne als auch schmerzhafte Gefühle zu, können sie das „kommunikative Loch“ verlassen und ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden. Vielfach werden erst bei einem offenen Gespräch die tieferen Ursachen der eigenen Gefühle offengelegt. So kann sich beispielsweise die Wut auf einen Angehörigen als Enttäuschung über die eigene Lebensperspektive entpuppen [3].

Probleme nicht kleinreden

Dass Angehörige mit der Wut, Trauer und Angst des Kranken konfrontiert werden und diese negativen Gefühle aushalten müssen, verlangt viel von ihnen ab. Meist versuchen sie, den Patienten aufzumuntern, abzulenken oder schnell zu beruhigen. Auch wenn es gut gemeint ist: Die Entlastung des Patienten wird dadurch verhindert. Die Folge sind dann oftmals Missverständnisse. Das gilt auch, wenn versucht wird, Probleme kleinzureden. Äußerungen wie „Das wird schon wieder, davor brauchst du keine Angst zu haben“ missachten, wie es dem Patienten wirklich geht und verhindern so das Entstehen echter Nähe [3].

Ich-Botschaften senden

Patienten können Kommunikationsklippen mit Angehören und Freunden umschiffen, indem sie sagen, wie wichtig es für sie ist, dass ihnen zugehört wird und dass sie ein offenes Gesprächsangebot schätzen [3]. Kommen sensible Themen zur Sprache, können Patienten mithilfe von ‚Ich-Botschaften‘ Missverständnissen vorbeugen. So kann man beispielsweise ein Gespräch mit Formulierungen wie ‚Ich fühle mich…‘, ‚Ich wünsche mir…‘, oder ‚Ich frage mich...‘ einleiten [4].

Informationen austauschen

Voraussetzung für einen offenen Austausch ist, dass alle den gleichen Informationsstand besitzen. Patienten sollten ihre Angehörigen bewusst in das Gespräch mit dem Arzt einbeziehen. Das gilt besonders dann, wenn sich die Krankheit konkret auf das Zusammenleben auswirkt – beispielsweise wenn der Patient längere Zeit im Beruf ausfällt. Geht es um weitreichende Therapiemaßnahmen, sollten diese Entscheidungen ebenfalls gemeinsam gefällt werden. Das ist insbesondere dann relevant, wenn sich die Behandlung auf die Partnerschaft auswirkt und beispielsweise die Sexualität beeinträchtigt. Patient und Partner können mögliche sexuelle Probleme schon im Vorfeld mit dem Arzt besprechen und sich auf diese Weise auf eventuelle Änderungen einstellen [3].

Eigene Bedürfnisse mitteilen

Nicht immer können Angehörige abschätzen, was sich Krebspatienten zutrauen und welche Unterstützung sie im Moment brauchen. Manchmal wird erwartet, dass schnell wieder „alles wie früher“ wird und der Patient seine üblichen Aufgaben wie bisher übernimmt. Das kann allerdings für den Kranken viel zu früh sein und ihn überfordern. Andererseits nehmen Angehörige dem Patienten oftmals auch viele Aufgaben ab, da sie ihn schonen möchten. Beim Patienten kann sich so der Eindruck verstärken, krank, unnütz und isoliert zu sein. Bemerken Patienten, dass sie bisherigen Erwartungen des Partners oder der Familie nicht mehr gewachsen sind oder diese nicht mehr erfüllen möchten, sollten sie darüber sprechen und mit allen Beteiligten gemeinsam eine Lösung überlegen [3].

Wertschätzung und Anerkennung vermitteln

Dass Patienten ihrem Partner und Angehörigen Wertschätzung und Anerkennung vermitteln, ist ein wesentliches Element gelungener Kommunikation. So kann man sich beim Partner für die Fürsorge und Liebe bedanken und beispielsweise ganz klar sagen, wie sehr man es schätzt, dass der Partner bei jedem Arztbesuch dabei ist [1].

Viele Patienten machen die Erfahrung, dass die Beziehung zum Partner und der Familie an Tiefe gewinnt und erfüllter wird, wenn sie zusammen offen über ihre Gefühle sprechen und gemeinsam versuchen, vorhandene Probleme zu lösen [3].

Krebspatienten können sich beim Umgang mit ihrer Erkrankung von einem Psychoonkologen unterstützen lassen. Psychoonkologen sind besonders auf die Betreuung von Krebspatienten spezialisiert. Kliniken bieten in der Regel eine entsprechende psychologische Beratung für Patienten und ihre Angehörigen an. Krebspatienten können sich auch bei ihrer Krankenkasse oder beim Krebsinformationsdienst nach Adressen in der Nähe ihres Wohnortes erkundigen.



Literatur


1. Patienten sind auch nur Menschen – Die Zeit

2. Wenn sich der Krebs durch die Seele frisst – Frankfurter Allgemeine Zeitung

3. Mit Angehörigen und Freunden über Krebs reden – Deutsche Krebsgesellschaft

4. 5 Tipps von Angehörigen von krebskranken Menschen – Saarländische Krebsgesellschaft