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WAS GIBT ES NEUES?

Der PSA-Wert im Krankheitsverlauf

Was der PSA-Wert über den Krankheitsverlauf bei Prostatakrebs aussagt

Fast jeder Mann hat den Begriff PSA-Wert schon einmal gehört. Hinter dem Kürzel PSA verbirgt sich das „Prostata-spezifische-Antigen“. Beim PSA handelt es sich um ein Eiweiß – auch Protein genannt – das von Prostatazellen gebildet wird. Wie hoch der PSA-Wert ist, wird über eine Blutuntersuchung bestimmt. Je höher sein Spiegel, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Prostatakrebs vorliegt. Eine Erhöhung des PSA-Wertes kann auch andere Ursachen als Prostatakrebs haben, während sein Verlauf Hinweise auf den Erkrankungsverlauf gibt. Ein wichtiger Indikator hierbei ist die sogenannte PSA-Verdopplungszeit – sie gibt an, in welcher Zeit sich der PSA-Wert verdoppelt. Dabei kann eine schnelle PSA-Verdopplungszeit mit einem aggressiveren Tumorwachstum assoziiert sein: Zum Beispiel bei Männern mit fortschreitendem Prostatakrebs, bei denen die klassische Hormontherapie nicht mehr wirkt (kastrationsresistenter Prostatakrebs) und bei denen keine Metastasen nachweisbar sind, kann eine schnelle PSA-Verdopplungszeit mit einem Voranschreiten der Erkankung und einer verringerten Zeit bis zum Auftreten von Metastasen verbunden sein. Für den Patienten stellt ein steigender PSA-Wert eine sehr belastende und mit Ängsten verbundene Situation dar.

Was der PSA-Wert über den Krankheitsverlauf aussagt

Es war das Jahr 1970 als Richard Ablin, Professor an der Universität Arizona, ein Eiweiß entdeckte, das in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Ablin gab ihm dem Namen Prostata-spezifisches Antigen, kurz PSA. Seine Aufgabe ist es, das Ejakulat flüssiger zu machen, damit sich die Spermien darin bewegen können. Das PSA hat noch eine weitere Bedeutung. Wissenschaftler fanden heraus, dass bei Männern mit Prostatakrebs der PSA-Spiegel im Blut stark erhöht ist. Aus diesem Grund entwickelten Forscher aus Japan im Jahr 1980 einen Bluttest, mit dem man den PSA-Wert feststellen kann.1

Der PSA-Test misst das im Blut zirkulierende PSA.2 Im Blut ist die Konzentration des PSA-Wertes eher niedrig – in der Regel liegt sie bei weniger als 0,004 µg/ml. In sehr kleinen Mengen ohne klinische Bedeutung ist PSA auch in den Brustdrüsen, der Muttermilch, der Gebärmutterschleimhaut sowie in Tumoren der Nieren und Nebennieren nachweisbar.3

Der PSA-Wert und seine Bedeutung

Da es nicht möglich ist, einen allgemeingültigen Grenzwert für den PSA-Spiegel bei gesunden Männern anzugeben, haben Experten einen altersabhängigen PSA-Normwert bestimmt – dieser dient jedoch lediglich der Orientierung. Grundsätzlich gilt: Liegt Prostatakrebs vor, sind die PSA-Werte oft deutlich höher als die Referenzwerte und nehmen mit dem Tumorwachstum weiter zu. Beispielsweise ist der Referenzwert bei bis zu 40 Jahre alten Männern unter 1,4 µg/l und bei über 70-Jährigen gilt ein Referenzwert von weniger als 4,4 µg/l.2

Ganz wichtig: Ist der PSA-Wert erhöht, heißt das nicht automatisch, dass sich Prostatakrebs entwickelt hat. Ursachen für einen erhöhten PSA-Wert können beispielsweise eine gutartige Vergrößerung der Prostata sein oder auch eine Harnwegs- oder Prostataentzündung. Außerdem ist es ganz normal, dass der PSA-Wert mit dem Alter ansteigt. Demgegenüber ist ein PSA-Wert im Normbereich kein sicherer Beleg dafür, dass kein Prostatakrebs voliegt. Eine alleinige Bestimmung des PSA-Wertes eignet sich nicht, um Prostatakrebs sicher zu diagnostizieren oder auszuschließen.2

Insgesamt sind sich Experten darüber uneinig, ob der PSA-Wert zur Früherkennung von Prostatakrebs eher schadet oder nützlich ist. Daher rät die Deutsche Krebshilfe Männern, mit einem Arzt zu besprechen, ob der PSA-Wert in ihrem Fall im Rahmen der Krebsvorsorge bestimmt werden sollte.2

Die PSA-Verdopplungszeit und der Krankheitsverlauf

Anders sieht die Situation beim Krankheitsverlauf aus. Hier dient zum Beispiel die PSA-Verdopplungszeit als ein wichtiges Instrument. Dieser Paramter wurde entwickelt, um die Aussagekraft der PSA-Messung erhöhen. Die PSA-Verdopplungszeit gibt an, in wie vielen Jahren sich der PSA-Spiegel rechnerisch verdoppelt, ohne dass eine Verdopplung wirklich stattgefunden haben muss. Berechnen kann sie der Arzt mithilfe eines Kalkulators. Hierbei gibt er zwei PSA-Werte ein, die im Abstand von mindestens drei Monaten gemessen wurden. Eine kurze PSA-Verdopplungszeit weist auf ein aggressives Tumorwachstum hin.3

Zum Beispiel bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs, bei denen sich bisher keine Metastasen gebildet haben, kann die PSA-Verdopplungszeit ein Hinweis für ein Voranschreiten der Erkrankung sein.4 Diese Patienten führen meist ein recht aktives Leben, da sie in der Regel gelernt haben, gut mit ihrer Erkrankung zu leben. Allerdings besteht das Risiko, dass der Krebs voranschreitet und Metastasen und damit auch Symptome entstehen, wie beispielsweise starke Schmerzen.5 Für Patienten ist nicht nur die Angst vor Metastasen, sondern auch der Ansteig des PSA-Wertes seelisch sehr belastend. Etwa einer von drei Männern wird mit einem nicht-metastasierten kastrationsresisten Prostatakrebs in den nächsten zwei Jahren Metastasen entwickeln.6

Beim Prostatakarzinom entwickeln sich Metastasen am häufigsten in den Knochen. Knochenmetastasen schädigen die Knochensubstanz und verringern gleichzeitig die Festigkeit des Knochens. Deshalb verursachen sie zum Teil schwerwiegende Symptome, welche die Lebensqualität der Patienten stark einschränken. Ein Großteil der Männer leidet unter starken Schmerzen (80 Prozent), die oft mit Angst- und Stresszuständen verbunden sind. Bei jedem zehnten Patienten führen Knochenmetastasen sogar zu Brüchen, die meistens in der Umgebung von Metastasen auftreten. 5 bis 15 Prozent der Patienten erleiden eine Rückenmarks- oder Nervkompression – das ist eine Druckschädigung des Rückenmarks bzw. eines Nervs, die sich unter anderem durch Taubheitsgefühle bemerkbar macht.7

Aus diesen Gründen verfolgen Ärzte das Ziel, das Fortschreiten der Erkrankung und damit die Entwicklung von Knochenmetastasen so lange wie möglich hinauszuzögern. In der Fachsprache heißt diese Zeitspanne ‚metastasenfreies Überleben‘. In dieser Phase, in der sich die Patienten in der Regel noch gut fühlen und keine weiteren Beschwerden haben, ist es besonders wichtig, dass zur Behandlung zugelassene Medikamente nicht nur gut wirken, sondern auch gut verträglich sind. Denn: im besten Fall kann eine Therapie entscheidend dazu beitragen, das Auftreten von Metastasen herauszuzögern und gleichzeitig die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.

Weitere Informationen zum Thema Prostatakrebs finden Patienten auf der „Website der Krebsgesellschaft“



Literatur


1. Dr. med. Felicitas Witte, Der PSA-Test ist in Ungnade gefallen – bei einigen Männern lohnt er sich trotzdem, Universimed, Leading Opinions, 06.04.2017

2. Dr. med. Martin Sinowatz und Martina Feichter, Netdoktor, Prostatakrebs, PSA-Wert, aktualisiert im Mai 2019

3. Dr. med. Dirk Manski, Urologielehrbuch.de

4. Freedland SJ, Ramaswamy K, Lechpammer S et al. Impact of prostate specific antigen doubling time on metastasis and increased costs associated with progression to metastatic castrate-resistant prostate cancer. Presented at the 2019 American Urological Association Annual Meeting, held May 3-6 in Chicago. Abstract MP34-09.

5. Frieling SJ et al. (2015) Current and Emerging Therapies for Bone Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer, Cancer Control, 22(1): 109-120.

6. Kirby M et al. Characterising the castration-resistant prostate cancer population: a systematic review. Int J Clin Pract. 2011;65(11):1180-1192. doi:10.1111/j.1742-1241.2011.02799.

7. Goh P et al. New multidisciplinary prostate bone metastases clinic: first of its kind in Canada. Curr Oncol 2007;14(1):9–12.