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Stressmanagement für Krebspatienten

Stressmanagement für Krebspatienten

Die Diagnose Prostatakrebs wirft viele Männer zunächst einmal aus der Bahn. Gleichermaßen ist ein Voranschreiten der Erkrankung für die meisten Männer eine seelische Belastung. Denn bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs gehören Knochenmetastasen zu den häufigsten Komplikationen, die in der Regel mit einer deutlichen Abnahme der Lebensqualität einhergehen.1,2 Für die Patienten heißt das: Plötzlich ist das Leben nicht mehr so wie es war. Neben Fragen zu Krankheit und Therapie beschäftigen die Betroffenen existentielle Sorgen, Reaktionen im sozialen Umfeld sowie ein unsicherer Blick in die Zukunft. Ängste, Depressionen und Erschöpfungszustände können die Folge sein. Wird die Belastung zu hoch, entsteht chronischer Stress. Der wiederum kann die Lebensqualität mindern und auf Dauer eventuell den Krankheitsverlauf negativ beeinträchtigen.3 Wie gelingt es Patienten, den Stress zu bewältigen und welche Angebote sind sinnvoll? Eine Krebsdiagnose oder auch das Voranschreiten der Krebserkrankung bedeutet auch Stress für die Seele – Was können Patienten für eine gute Lebensqualität tun?1

Stress

Wird der Stress zu viel, läuft der Körper auf Hochtouren

Zunächst einmal ist eine Stressreaktion ein normaler biologischer Vorgang. Im Gehirn werden die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol ins Blut ausgeschüttet. Herz, Kreislauf und Atmung werden aktiviert, der Körper läuft auf Hochtouren. Zentralnervensystem, Psyche und Immunsystem beeinflussen sich gegenseitig. Aus diesem Grund macht chronischer Stress z. B. auch anfällig für Infektionen. Auch die Wundheilung kann verlangsamt werden. Stress löst zudem im Körper die gleichen Reaktionen aus wie Angst. Chronischer Stress führt daher wiederum zu Ängsten – vor allem dann, wenn er mit negativen Gefühlen verbunden ist.3,4,5,6

Mit Entspannungstechniken zur Ruhe kommen

Entspannungstechniken sind eine bewährte Methode, um zur Ruhe zu kommen, dem Stress entgegenzuwirken und die Lebensqualität zu verbessern.7 Auf diese Weise kann der Kortisolwert verringert und die Empfindlichkeit des Rezeptors am sympathischen Nervensystem – das z. B. Blutdruck und Atmung reguliert – gesenkt werden.3 Diese Entspannungstechniken können Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson sein. Es ist empfehlenswert, die Übungen unter Anleitung eines qualifizierten Trainers zu erlernen. Später können die erlernten Techniken in den Alltag integriert werden. Während Autogenes Training die Kraft der Gedanken, wie „Ich bin ganz ruhig“ oder „Mein Atem wird ruhig“, für mehr Ruhe und Entspannung nutzt, werden bei der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson Muskelgruppe für Muskelgruppe erst angespannt und dann wieder lockergelassen. Beispielsweise können Patienten eine Hand zur Faust ballen, diese halten und dann wieder öffnen. Danach kommen die andere Hand und weitere Muskelgruppen an die Reihe. Nach und nach wird so der ganze Körper entspannt, was dabei hilft, innerlich zur Ruhe zu kommen. Nach einiger Übung merken Patienten, dass sich die gewünschten Erfolge einstellen. Auch meditative Techniken wie Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen können Körper und Geist in Balance bringen, reduzieren so den Stress und helfen dabei, innerlich zur Ruhe zu kommen.7

Psychoonkologen helfen bei der Stressbewältigung

Nicht allen Patienten gelingt es aus eigener Kraft, neuen Mut zu schöpfen und trotz Krankheit eine neue Lebensperspektive zu finden. Etwa ein Drittel aller Krebspatienten ist durch die Erkrankung seelisch so stark belastet, dass sie sich therapeutische Hilfe wünschen. Mithilfe eines kurzen Fragebogens, dem sogenannten Distress-Thermometer, ordnet der Arzt die Art der seelischen Belastung und deren Ausprägung ein. Somit kann er entscheiden, ob Unterstützung durch einen Psychoonkologen notwendig ist. Die Angebote einer psychoonkologischen Therapie sind vielseitig und umfassen ein breites Spektrum an Maßnahmen. In der Psychoonkologie arbeiten Experten aus verschiedenen Fachbereichen (beispielsweise Ärzte, Psychologische Psychotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeiter, Pädagogen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten) zusammen. Sie sind erfahren in der Begleitung von Krebspatienten und ihren Familien und können die Probleme mit angemessener Distanz sachlich angehen.8

Neben den bereits erwähnten Entspannungstechniken tragen auch Kunst- und Musiktherapien dazu bei, Gefühle wie Trauer, Wut und Angst freizusetzen und zu durchleben. Das Besondere bei künstlerischen Therapien ist, dass Patienten ihre Gefühle nicht in Worte fassen müssen, sondern sie durch Malen, Arbeiten mit Ton sowie durch Musik oder im Tanz ausdrücken können.9

In Patienten-Seminaren lernen Betroffene in der Gruppe, was sie selbst für ihre Gesundheit tun können – beispielsweise wie sie besser mit dem Stress der Krebserkrankung zurecht kommen können, welche Hilfsangebote es gibt und wo sie diese finden können. Positiver Nebeneffekt: Der Kontakt zu anderen Patienten erleichtert die Situation oftmals, denn jeder, der selbst betroffen ist, kann sich gut in die Gefühle und Gedanken Krebskranker hineinversetzen. Patientenseminare werden in vielen Rehakliniken und in der ambulanten Nachsorge angeboten.7

Die Psychotherapie wiederum bietet die Möglichkeit, sich in Einzel-, Paar- oder Gruppengesprächen intensiv mit der Erkrankung und den damit verbundenen Problemen auseinanderzusetzen.7

Erste-Hilfe-Tipps zur seelischen Stabilisierung

Hinweise zur Unterstützung finden Patienten vor allem in der Phase kurz nach Diagnosestellung auf der Website der Prostata-Hilfe Deutschland, einem Informationsmedium unter der Leitung eines erfahrenen Urologenteams (https://prostata-hilfe-deutschland.de/prostatakrebs-psyche/). Erste-Hilfe-Tipps sollen den Patienten helfen, sich seelisch wieder aufzurichten. Die Experten raten unter anderem zu einem offenen Umgang mit der Erkrankung und dazu, mit Freunden und Familie über Ängste, Sorgen und Nöte zu sprechen. Entlastend und hilfreich kann auch der Austausch mit anderen Krebskranken sein, denen es ähnlich geht. Nicht zuletzt lassen sich durch die Teilnahme am sozialen Leben, wie ein Kinobesuch mit Freunden, sowie stressfreie Auszeiten für Körper und Seele die Energiespeicher wieder auftanken.9

Online-Programm mindert Stress und verbessert Lebensqualität

Auch webbasierte Programme können helfen, den mit einer Krebserkrankung verbundenen Stress zu mindern und somit die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Schweizer Psychologen testeten in einer Studie das von ihnen entwickelte Online-Stress­Management-Programm STREAM („Stress aktiv mindern“) an 129 neu diagnostizierten Patienten. Die Hälfte der Teilnehmer absolvierte über mehrere Wochen in verschiedenen Modulen Übungen und spezifische Anleitungen, um den mit der Krebsdiagnose verbundenen Stress besser verarbeiten zu können. Dazu loggten sich die Patienten über einen persönlichen Zugang in das STREAM-Portal ein. Zudem hatten die Studienteilnehmer regelmäßigen Email-Kontakt mit einem Psychologen. Das Ergebnis: In der Abschlussuntersuchung schätzten die Patienten, die das STREAM-Programm absolviert hatten, ihre Lebensqualität deutlich besser ein als die Kontrollgruppe. Auch der negative Stress war deutlich reduziert.10

Krebspatienten stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung, um Stress zu verringern. Ziel ist es, den Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung zu stärken und ihm dabei zu helfen, mit Ängsten und negativen Gefühlen umzugehen. Diese emotionale Entlastung kann sich letztlich auch positiv auf die Lebensqualität auswirken.

Patienten können sich über entsprechende Angebote bei ihrer Krankenkasse, dem behandelnden Arzt sowie Rehakliniken informieren.

Der Krebsinformationsdienst bietet ebenfalls eine Suche nach Adressen von Krebsberatungsstellen an:

www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/krebsberatungsstellen.php

Telefon: 0800 4203040



Literatur


1. Frieling SJ et al. (2015) Current and Emerging Therapies for Bone Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer, Cancer Control, 22(1):109-120.

2. Goh P et al. (2007) New multidisciplinary prostate bone metastases clinic: first of its kind in Canada. Curr Oncol 14(1):9–12.

3. Stressmanagement für Krebspatienten

4. Chronischer Stress schwächt das Immunsystem

5. Schlechtere Wundheilung – gestresste Patienten

6. Angst – Ursachen: Depressionen und andere psychische Erkrankungen

7. Psychoonkologie – Beistand für die Seele

8. Psychoonkologie – Psychosoziale Unterstützung für Krebspatienten und Angehörige, (Februar 2016, aktuelle Fassung)

9. Der Prostatakrebs macht mir Angst – was tun?

10. Corinne Urech et al. (2018) Web-Based Stress Management for Newly Diagnosed Patients With Cancer (STREAM): a Randomized, Wait-List Controlled Intervention Study, Journal of Clinical Oncology, 38(8):780ff.