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Richtig trinken bei Krebs

Richtig trinken – Worauf Krebspatienten achten sollten

Ausreichend trinken ist wichtig. Warum eigentlich? Wie macht sich Flüssigkeitsmangel bemerkbar? Rund 1,5 Liter sollten es täglich sein, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Doch wie sieht es bei einer Krebserkrankung aus? Müssen Krebspatienten mehr trinken? Und falls ja, muss es immer Wasser sein und welche Getränke sind tabu?

Richtig trinken - Worauf Krebspatienten achten sollten

Wasser ist für den menschlichen Körper lebensnotwendig. Ein Erwachsener besteht zu ungefähr 50 bis 65 Prozent aus Wasser. Bei Säuglingen sind es mit 70 bis 80 Prozent sogar noch mehr.1 Dabei ist es ungefähr zu zwei Dritteln in den Zellen gebunden.2

Regelmäßiger Nachschub ist wichtig

Damit der Wasserhaushalt des Körpers reibungslos funktioniert, muss für eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr gesorgt werden. Wasser ist für etliche zentrale Aufgaben im Körper zuständig. Es löst beispielsweise die festen Bestandteile der Nahrung – wie Zucker, Salz und Mineralstoffe und transportiert sie zur Zelle.1 Außerdem spielt Wasser auch eine wichtige Rolle, wenn es um Vitamine geht. Vitamine werden in zwei Gruppen eingeteilt, die fett- und die wasserlöslichen. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass wasserlösliche Vitamine nicht im Körper gespeichert werden können. Zu den wasserlöslichen Vitaminen gehören Vitamin C, Folsäure und die meisten Vitamine der B-Gruppe.3 Eine weitere Funktion des Wassers ist es, den Körper bei Bedarf abzukühlen. Nach dem Sport oder wenn es im Sommer sehr heiß ist, unterbindet starkes Schwitzen einen Anstieg der Körpertemperatur. Verdunstet der Schweiß, wird Wärme freigesetzt und die Haut kühlt ab. Zudem lässt Wasser die durch Nahrung zugeführten Ballaststoffe quellen.1

Durstgefühl heißt Wassermangel

Verringert sich das Wasser im Körper um 0,5%, macht der Körper mit Durstgefühl darauf aufmerksam. Dabei gilt: Je intensiver der Durst, desto stärker nimmt der Wassergehalt ab. Verlieren Blut und Gewebe zunehmend Wasser, kann das Blut nicht mehr richtig fließen. Zudem können sich körpereigene Abbauprodukte im Körper ansammeln. Gleichzeitig werden Muskel- und Gehirnzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Verliert ein Mensch etwa drei Prozent seines Körperwassers, treten geistige und körperliche Leistungseinbußen auf. Das macht sich vor allem beim Konzentrations- und Reaktionsvermögen bemerkbar. Wird der Wassermangel nicht ausgeglichen, kann es unter anderem zu Kreislaufschwäche, Verwirrtheitszuständen und zu Herzrasen kommen. Ein Verlust von 20 Prozent der Körperflüssigkeit ist lebensbedrohlich. Da ein Durstgefühl bereits ein Signal dafür ist, dass dem Körper Wasser fehlt, sollte schon davor regelmäßig getrunken werden.2 Obendrein lässt im Alter das Durstgefühl oftmals nach. Aus diesem Grund ist es wichtig, genug zu trinken – auch ohne Durstgefühl. Wesentlich ist zudem, Hinweise zu kennen, die signalisieren, dass der Körper Wasser braucht und die oftmals nicht gleich mit Flüssigkeitsmangel in Verbindung gebracht werden. Hierzu zählen Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen. Ist der Urin sehr dunkel und riecht, kann das auch ein Anzeichen dafür sein, dass zu wenig getrunken wurde. Ein anderes Zeichen für Flüssigkeitsmangel ist eine Falte, die auf dem Unterarm oder Handrücken "stehen bleibt", sobald die Haut ein bisschen angehoben wird. Für gesunde Menschen gilt, dass sie ungefähr 1,5-2 Liter pro Tag trinken sollten, damit der Stoffwechsel richtig funktioniert. Allerdings kann sich der Flüssigkeitsbedarf je nach individueller Lebenssituation ändern. Beispielsweise sorgt ein heißer Sommer für einen erhöhten Wasserbedarf. Die meisten Empfehlungen für Gesunde orientieren sich daher am Durchschnitt. Grundsätzlich wichtig ist, über diese Empfehlungen informiert zu sein, auch wenn sie für den einzelnen nicht immer „richtig“ sind.4

Ärzte und Pflegekräfte sind wichtige Ansprechpartner für Krebspatienten

In Bezug auf Krebspatienten gibt es ebenfalls keine pauschalen Vorgaben: Wer zu welchem Zeitpunkt, welches Getränk in welcher Menge trinken sollte, hängt von der jeweiligen Krankheitssituation ab. Dabei spielt es eine Rolle, ob eine Therapie durchgeführt wird und falls ja, um welche es sich handelt. Außerdem kommt es darauf an, wie es dem Patienten insgesamt gesundheitlich geht und ob er neben der Krebserkrankung noch eine andere Krankheit hat.4

Die folgenden Tipps dienen daher in erster Linie als Anhaltspunkte. Der wichtigste Ansprechpartner für die Frage, was und wieviel Krebspatienten trinken sollten, sind die behandelnden Ärzte und betreuenden Pflegekräfte: Auf Patienten, die Medikamente einnehmen müssen, die sich während einer Krebsbehandlung auf den Flüssigkeitshaushalt auswirken können, hat der Arzt ein besonderes Augenmerk. Diese Medikamente umfassen beispielsweise Diuretika – ihre Aufgabe ist es, die Ausschwemmung von Flüssigkeit aus dem Körper zu erleichtern. Diuretika werden Patienten gegen manche Herzerkrankungen oder Bluthochdruck verschrieben. Bei einigen Krebsmedikamenten ist es notwendig, dass Patienten in den ersten Tagen nach der Therapie viel trinken, um die Abbauprodukte der Arzneistoffe schnell wieder auszuscheiden. Hierzu halten Kliniken und Arztpraxen Informationsmaterial bereit. Einige Krebsmedikamente oder andere Arzneimittel behindern die Speichelproduktion und führen daher zu Mundtrockenheit.5 Hierbei ist es hilfreich, den Mund regelmäßig zu befeuchten. Achtung: Patienten sollten auf Getränke verzichten, die Zähne und Zahnfleisch angreifen können, wie beispielsweise Obstsäfte. Ebenfalls wichtig ist das Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Er kann die Wirkung der Arzneimittel beurteilen und weiß, wie am besten geholfen werden kann.4

Keine Lösung: Bei Inkontinenz weniger trinken

Ein Thema, das Prostatakrebs-Patienten betreffen kann, ist Inkontinenz. Für die meisten Menschen ist es peinlich, wenn sie den Urin nicht mehr halten können und das belastet sie sehr. Ganz falsch bei Inkontinenz ist es aber, die Trinkmenge zu reduzieren. Das funktioniert nicht und kann sogar zu gesundheitlichen Problemen führen. Werden die Ausscheidungsorgane nicht mehr ausreichend durchgespült, kann das Entstehen von Infektionen begünstig werden.4 Unterstützung für Betroffene bietet die „Deutsche Kontinenzgesellschaft e.V“. Was Prostatakrebspatienten mit Inkontinenz helfen kann, können Betroffene „hier nachlesen“

Wasser ist gut geeignet

Ein Getränk mit dem Krebspatienten in der Regel richtig liegen, ist Wasser. Ob lieber Wasser mit oder ohne Kohlensäure spielt dabei keine Rolle – solange keine Verdauungsprobleme auftreten. Dann empfiehlt sich stilles Wasser. Wer möchte, genießt das Wasser gekühlt.

Immer nur Wasser zu trinken, kann auf Dauer langweilig werden. Welche Alternativen bieten sich an und was sollten Patienten, die gerade eine Therapie erhalten, beachten? Grapefruits und ihr Saft enthalten Stoffe, die die Verstoffwechselung mancher Medikamente behindern. Multivitaminsäfte sind ebenfalls nicht immer geeignet. Zwar gelten die zugesetzten Vitamine als gesund, allerdingst stellt sich die Frage, ob sie wirklich benötigt werden. Denn auch manche Vitamine können die Wirkung von Krebsmedikamenten stören. Alkohol kann ebenfalls die Wirkung einiger Medikamente verstärken oder schwächen. Patienten sollten auf jeden Fall mit ihrem Arzt besprechen, ob sie Alkohol trinken dürfen und falls ja, welche Menge angemessen ist. Anders sieht die Situation bei Kaffee aus. Patienten, die Kaffee normalerweise gut vertragen haben, können ihn ind er Regel auch während einer Krebstherapie weiter genießen. Zur Sicherheit sollten Patienten mit dem Arzt abklären, ob mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten auftreten können. Das gilt auch für den Genuss von Schwarz- und Grüntee, sowie Heil- und Kräutertees. Auch hier sollten Patienten mit dem Arzt besprechen, ob und in welcher Menge sie entsprechende Tees trinken können.4

Saftschorlen – ein Getränk mit Geschmack

Getränke, die mehr als sieben Prozent Kohlenhydrate enthalten, sind eher nicht zu empfehlen. Das sind mit Zucker gesüßte Limonaden, Brausen, Energydrinks sowie Nektare. Gut zu wissen ist, dass 100 ml eines Colagetränks rund 10,8 g Zucker enthalten.2 Hinzu kommt das in Cola enthaltende Phosphat, was sich außerdem auch in vielen Fastfoodprodukten befindet. Phosphat kann die Innenwände der Gefäße verändern. Das stellt nicht nur ein Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall dar, es kann auch das Osteoporose-Risiko erhöhen.6 Ein Blick auf Nektare zeigt, dass sie mit 17,27 g pro 100 ml ziemlich viel Zucker enthalten. Eine gute Alternative bieten reine Fruchtsäfte mit Wasser verdünnt – mit der Ausnahme von Grapefruitsaft, wie oben im Text erklärt. Reine Fruchtsäfte enthalten natürlicherweise rund zehn Prozent Zucker. Empfehlenswert ist ein Verhältnis 1:3 mit Wasser verdünnt (1 Teil Saft, 3 Teile Wasser). Diese Form der Schorle eignet sich gut, um dem Körper Flüssigkeit mit Geschmack zuzuführen.2

Tipp – Trinkprotokoll

Manchen Menschen fällt es schwer, regelmäßig daran zu denken, genügend zu trinken. Ein Trinkprotokoll kann hierbei eine verlässliche Stütze sein. Ein weiterer Trick ist es, sich ein Getränk in Sichtweise bereitzustellen und so an die Aufnahme von Flüssigkeit erinnert zu werden. „Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung" bietet weitere Informationen für Patienten mit Krebs.



Literatur


1. Ohne Wasser läuft nichts, Die Techniker

2. Kerstin Köhnke, Der Wasserhaushalt und die ernährungsphysiologische Bedeutung von Wasser und Getränken, Ernährungsumschau, 2011

3. Wasserlösliche Vitamine, netdoktor.de

4. Krebsinformationsdienst: Richtig trinken bei der Krebstherapie

5. Krebsinformationsdienst: Mundtrockenheit

6. Ratgeber Gesundheit: Gefährliche Phosphate in Lebensmitteln, NDR.de